Wie alles begann

 

O'Grady, mein erster Jack Russell

Vor vielen Jahren besuchte ich Freunde in Hampshire. Zwei kleine Hunde rasten im Garten herum und ich fragte was das für eine Rasse war. "Das sind Pickle und Onion, Heythrop Hunt Terrier" war die Antwort. Ich fand sie bezaubernd.

Damals ahnte ich nicht, dass auch ich einmal im Besitz eines echten Heythrop Hunt Terriers und vollkommen im Bann dieser  lebhaften und faszinierenden Rasse sein würde!

Nach Hampshire ging die Geschichte in Irland weiter. Ich besuchte Freunde in County Mayo, begleitet von einer jungen Dame die bereits stolze Besitzerin eines irischen Jack Russells war. Einer ihrer Freunde, der ihre Hündin  Bonnie kannte, hatte sie gebeten, ihm so einen mutigen kleinen Kerl für die Jagd nach Österreich mitzubringen.

An einem der üblichen windigen, verregneten irischen Tage machten wir uns auf den Weg, um eine Lokalzeitung zu kaufen und  die Bauern, die Jack Russell Welpen zum Verkauf inseriert hatten, zu besuchen.

Beim dritten Bauernhof wurde eine eher abgemagerte Hündin mit einem recht lebhaften Wurf aus der Scheune ins Wohnzimmer geholt.  Wir waren froh, aus dem Regen ins Trockene zu kommen, um den angebotenen Tee mit Keksen zu trinken. Der Vater des Wurfes war überfahren worden, wurde uns gesagt, aber es seien alle bestimmt reinrassige Jack Russells.

Meine Freundin Barbara entschied sich für eine kleine Tricolorhündin. Ohne nachzudenken, einem unwiderstehlichen Impuls nachgebend, entschloss ich mich ihren Wurfbruder zu nehmen. Der Bauer strahlte, sechzig irische Punts wechselten den Besitzer und wir verabschiedeten uns mit den zwei Welpen, um auf einen uns empfohlenen Tierarzt zu warten.

O'Grady

In der nächsten Ortschaft fuhren wir an einem Geschäft Namens  "O'Grady's" vorbei, just in dem Moment als der kleine Rüde zu winseln anfing. So bekam er seinen Namen.

Wir tranken noch mehr Tee während wir auf den Tierarzt, Mr. Noone, warteten. Er sagte uns, dass die Welpen wahrscheinlich noch keine acht Wochen alt waren. Trotzdem willigte er ein, ihnen die erste Impfung  zu geben. Er betrachtete uns etwas misstrauisch und befahl uns, mit den Kleinen vorsichtig umzugehen.

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Zug von der Westküste Irlands nach Dublin, um das Flugzeug nach London zu nehmen. Das Wetter war grauenvoll.  Hurricane Charlie blies mit voller Kraft und die meisten Flüge wurden abgesagt.  Als wir am Flughafen ankamen, wurde uns mitgeteilt, dass wir eine Transportbox für die Welpen brauchten  und dass wir sie nicht in die Kabine mitnehmen konnten. Wir hatten einige alte Handtücher mit,  wickelten die Welpen ein und fuhren mit dem  Taxi nach Dublin in die nächste Tierhandlung um eine Box zu kaufen.  

Die Passagiere wurden je nach Ankunft abgefertigt und wir ahnten, dass wir ein lange Wartezeit vor uns hatten.  Die Welpen waren gar nicht zufrieden mit den Ereignissen und fingen an, einen fürchterlichen Lärm zu machen. Es kam uns vor, als ob uns der ganze Flughafen beobachtete.  Nach einer halben Stunde bekam ein Angestellter Mitleid mit uns, den Welpen und den anderen Passagieren und wir durften das nächste Flugzeug nach London besteigen.

Nach einem holprigen Flug landeten wir sicher in Heathrow, wo wir die Welpen vom Frachtraum abholten.  Wir nahmen ein Taxi zum Büro eines Österreichischen Diplomaten, der uns als Gäste in sein Haus eingeladen hatte.  Zum Glück war er Besitzer eines Scottish Terriers und war nicht abgeneigt, zwei winzige Jack Russell für ein paar Tage in seiner Küche zu beherbergen.

Der Taxichauffeur, der uns zum Haus brachte, warf einen kurzen Blick auf den Inhalt der Box und sagte  "Ich glaube, da haben Sie sich ziemlich viel Ärger gekauft!"

Ich habe während der letzten Jahre oft an diesen Taxifahrer gedacht - wie recht er nur hatte!

Kurz und gut, wir mussten die Welpen mit einem anderen Freund in London zurücklassen, da wir sie damals nicht ohne Tollwutimpfung nach Deutschland einführen konnten.  Unser Flug zurück nach Österreich landete in München,  zwei Tage später kamen die Welpen in Salzburg an,  immer noch in ihrer Transportbox.  Nachdem wir sie von der Frachtabteilung abgeholt hatten, ließen wir sie am Gras heraus.  Sie waren vollkommen unbeeindruckt von der langen Reise von der Westküste Irlands bis nach Österreich und sprangen fröhlich herum. 

Nellie ging nach Kärnten und O'Grady  kam mit mir nach Wien.  Er entpuppte sich als echter Ire - voller Charme und Überraschungen. Ich war vollkommen verliebt in ihn und nahm ihn überall mit.  Er war äußerst lebhaft und, um ihn müde zu machen, ging ich mindestens drei Mal  die Woche im Wienerwald joggen, ehe ich in die Stadt in mein Geschäft fuhr.  Meine Kondition wurde immer besser und seine auch.

Eines Tages traf ich eine junge Frau im Wald, die auch einen Jack Russell hatte.  Es gab einen Club und eine jährliche Ausstellung, sagte sie.

Ich ging zur Ausstellung und traf unseren Clubsekretär, die anderen Mitglieder und ich sah die anderen Hunde. Ich traf einen Mann, der mir sagte dass er Züchter wäre. Er fragte mich, ob ich ihm eine rauhaarige Hündin bei meinem nächsten Englandbesuch besorgen könnte.

Ich fand eine kleine Tricolorhündin in Norfolk, die viel Wuschelhaar und noch viel mehr Persönlichkeit hatte. Sie war entzückend, ich nannte sie Lucy und ich habe sie selbstverständlich behalten.

Ich muss gestehen, dass mein erster Wurf nicht geplant war. Eines Tages kam ich vom Friseur nach Hause und fand die "hängenden" Hunde im Wohnzimmer. Ich wusste damals nicht viel über Hundezucht, aber ich habe durch Erfahrung schnell gelernt.

O'Grady, Lucy, Amos and Andy

Ich rief unseren Clubsekretär an, und fragte ihn was ich tun sollte. "Suchen Sie sich einen Zwingernamen aus" sagte er.   So wählte ich Claremorris, der Name des Ortes wo wir auf den Tierarzt, Mr. Noone, gewartet hatten.

Meine ersten zwei Welpen, Amos und Andy, wurden geboren.

          So fing alles an - und ich habe es nicht einen Moment lang bereut!